Haushaltsrede 2003
Dr. Dieter Fritz, Fraktionsvorsitzender der FDP
Der Haushaltsplan ist Grundlage für die Haushaltswirtschaft der Gemeinde. Er ist das Kernstück kommunaler Entwicklungsplanung, gibt Auskunft, welche Aufgaben die Stadt wie zu erfüllen gedenkt. Hier schlägt sich nieder, wie die Gemeinde auf sich ändernde Bedingungen reagiert. Der Haushaltsplan gibt mehr als jeder andere gemeindliche Beschluss über den politischen
Gestaltungswillen der Verantwortlichen.
Der Haushaltsplan 2003 läßt weder politischen Gestaltungswillen noch das Beschreiten neuer Wege erkennen, sondern erschöpft sich in der buchhalterischen Fortschreibung der Ansätze aus 2002.
Vor nunmehr einem Jahr war der StVV vom Magistrat bereits ein Haushaltsentwurf vorgelegt worden, der weder ausgeglichen war noch den Haushaltsgrundsätzen der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit genügte. Erst in einem zweiten Anlauf war es dem Magistrat gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Die auch dem Haushalt 2002 fehlende politische Nuancierung ist damit
entschuldigt worden, daß die neu gewählten Stadträte erst wenige Wochen im Amt waren und den Haushaltsplan 2002 kaum beeinflussen konnten.
Für das Jahr 2003 sollte alles besser werden. War nicht auch die Durchbrechung der kommunalpolitischen Lähmung in den letzten Amtsjahren der Ära Rohrbach/Robanus die inhaltliche Begründung für die Notwendigkeit von zwei hauptamtlichen Stadträten ?
Vor diesem Hintergrund - Stillstand in den letzten Amtsjahren Rohrbach/Robanus und unstreitig unpolitischer Haushalt 2002 - würdigen Sie bitte die Aussage des Kämmerers in seiner Haushaltsrede am 04.11.02: "Dieser Haushalt ... ist von dem Bestreben geprägt, keine der gestellten Aufgaben aufzugeben und die in Angriff genommenen Vorhaben auch zu Ende zu bringen".
Dieser Haushaltsentwurf ist ein "weiter so" auf ganz miserablen Niveau. Der Entwurf läßt alle Fragen, wie die Stadt mit den - vom Magistrat auch erkannten - geänderten finanziellen Rahmenbedingungen umgehen soll, offen. Muss sich die Stadt drei hauptamtliche Magistratsmitglieder leisten, um wie in den vergangenen Jahren weiter zu wursteln ?
Zur finanziellen und tatsächlichen Situation der Stadt Maintal schlaglichtartig einige Eckpunkte:
Finanziell:
1) Die Personalkosten der Stadt - ohne Betriebshof - erreichen 2003 ein Volumen von 15.786.800,- € und damit 1.204.800,- € mehr als im Jahr zuvor. Zu erwartende Lohn- und Gehaltssteigerungen nicht eingerechnet.
2) Die Schulden wachsen von 24.833.000,- € auf 29.892.500,- €.
3) Der Gebührenhaushalt KiTa schließt mit einem gegenüber dem Vorjahr deutlich höheren Zuschuss von 5.678.050,- €.
4) Der Zuschuss zu den Friedhöfen beträgt noch immer 157.700,- €, obgleich gebührenrechtlich das Kostendeckungsprinzip gilt.
5) Trotz deutlich steigender Umsatzerlöse erwirtschaftet der Betriebshof einen Jahresfehlbetrag von 743.000,- €.
Tatsächlich:
Die städtische Infrastruktur befindet sich in einem zunehmend besorgniserregenden Zustand. Im letzten Gebäudezustandsbericht des FD Gebäudeverwaltung ist der Instandhaltungsrückstau nahezu aller Objekte mit "hoch" bis "sehr hoch" angegeben. Die Bürgerhäuser sind ebenfalls vielfach - zuvorderst Wachenbuchen - umfangreich und aufwendig zu sanieren und renovieren.
Über den Zustand der öffentlichen Strassen bauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Wer kennt nicht die vielen Schäden aus dem vergangenen Winter, die wegen fehlender finanzieller Mittel nicht behoben werden konnten. Wie werden Maintals Strassen wohl im Frühjahr 2003 aussehen, ist doch der für die Strassenunterhaltung eingesetzte Betrag gegenüber 2002 unverändert geblieben (
626.800,- € ). Der Zustand der Gehwege hat wiederholt zu Beschwerden von Bürgern bei der Stadt geführt - auch anläßlich der letzten Bürgerversammlung im Oktober diesen Jahres. Mit den vorgesehenen 90.000,- € für Grundinstandsetzungen bei einem Gehwegnetz von 300.000 Metern, läßt sich erahnen, wie ernst die Stadt ihre diesbezügliche Verkehrssicherungspflicht nimmt.
Die Bedrohlichkeit der Entwicklung Maintals zeigt sich am nachdrücklichsten im Rückgang der gesamten Sachinvestitionen von 8,9 Mio € 2003 auf 2,9 Mio € im Jahr 2006.
Keine Sonntagsrede ohne die Verantwortung für künftige Generationen zu betonen - die Infrastruktur aber läßt man verrotten.
In dieser Situation kann man sich nicht damit begnügen, "keine der gestellten Aufgaben aufzugeben und die in Angriff genommenen zu Ende zu bringen". Es ist an der Zeit für einschneidende Strukturreformen.
Nachdem unter BM Rohrbach die sog. "Liste der Grausamkeiten", gipfelnd in der beabsichtigten Aufgabe des Maintalbades aus guten Gründen keine Mehrheit gefunden hat, sind neue, phantasievollere Ansätze gefragt, um auch künftig notwendige kommunale Aufgaben erfüllen zu können und die städtische Infrastruktur zu erhalten. Dafür sind Sie, Frau BM Diehl und die Herren StR'e
Schächer und Wassermann gewählt worden. Der Hinweis auf die sich verschlechternden Rahmenbedingungen für die Kommunen ist zwar zutreffend, entbindet Sie aber nicht von ihrer Verantwortung und Aufgabe.
Die FDP hat gemeinsam mit den anderen Fraktionen der demokratischen Parteien eine Reihe von gemeinsamen Anträgen formuliert. Im wesentlichen handelt es sich hierbei um Einsparungen bei einzelnen Haushaltspositionen in einem Volumen von ca. 1 Mio. €.
Darüber hinaus sind jedoch strukturelle Veränderungen anzustossen. Um nicht wie im vergangenen Jahr mit einer - sicherlich erforderlichen - Flut von Anträgen Ihren Unwillen zu erregen, haben wir nur einige Bereiche herausgenommen, die wir eingehend diskutieren wollen.
So wollen wir zur Gewährleistung einer zügigen und umfassenden Sanierung des Bürgerhauses Wachenbuchen den eingestellten Betrag von 50.000,- € auf 200.000,- € aufstocken. Zur Reduzierung des Defizits aus der Friedhofsverwaltung ist ein Konzept zur Privatisierung der Bestattungs- und Pflegeleistungen zu erarbeiten. Betreffend der KiTas ist zunächst einmal für Kostentransparenz zu
sorgen. Das erfordert die Bündelung der Personalkosten bei der zentralen KiTa - Verwaltung und eine Abrechnung nach angebotenen Betreuungsstunden. Die Personalstruktur der städtischen Büchereien soll durch Einsatz studentischer Hilfskräfte verändert und kostengünstiger umgebaut werden. Der Betriebshof ist grundsätzlich zu reformieren.
Nur wenn Ansätze dieser im Rahmen der Antragsberatung noch detailliert zu begründenden Anträge in den Haushalt eingehen, wird die FDP dem vorliegenden Entwurf zustimmen können. Wir wollen uns nicht vorhalten lassen, die Zeichen an der Wand zwar erkannt, aber nicht entsprechend gehandelt und die Zukunft verschlafen zu haben.
|